Dienstag, 22. Januar 2013

"Sie wollte zugleich sterben und in Paris wohnen"

(aus Madame Bovary von Gustave Flaubert)

Brief nach Buchbesprechung im Literaturzirkel über Madame Bovary

Ja, es stimmt: Emma Bovary geht mir besonders nahe, weil diese zierliche Frau den Kleingeist einer provinziellen Gesellschaft sprengt - das gefällt mir!

Und nicht aus Lust an der Provokation, sondern weil ihr die Sprache für ihre Sehnsucht fehlt. Sie fühlt, dass sie sich weder über ihr Kind noch über ihren Mann in der Welt definieren kann und möchte keine Glucke werden, wie die Frau des Apotherkers Homais. Sie kämpft um Konturen und nimmt viel Unglück dafür in Kauf: Erst träumt sie, dann geht sie fremd, verschuldet sich und später bezahlt sie mit dem Tod dafür.

Repräsentiert Madame Bovary den Schatten der Frau,
sowie Humbert Humbert aus Lolita vielleicht den des Mannes?

Ist es nicht aufregend, sich heute mit Emmas Schatten auseinander zu setzen, obschon man als Frau arbeiten - und das Heim zeitweise dafür verlassen kann?
Mich interessiert die Tatsache, dass Emma Bovary keine sexuellen Erfahrungen vor ihrer Ehe gemacht hat. In ihrer Hochzeitsnacht wird sie enttäuscht und merkt bald, dass es so weitergehen wird... trotzdem hört man von Lesern dieses Buches immer wieder: Warum geniesst sie nicht einfach ihr Kind und führt ein ruhiges Leben neben ihrem Mann! Ariela Sarbacher

Emma Bovary von Gustave Flaubert 
wird am 29. Januar 2013 um 22.20 Uhr
u.a. auf SFR1 im Literturclub besprochen werden www.literaturclub.ch

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